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PRESSEMITTEILUNG

 

 

Ärzte und Handwerker als Vorreiter in die Zukunft der ‚Smart Services‘

 Fraunhofer IAO möchte KMU in Baden-Württemberg für Smart Services gewinnen

 

‚Unternehmen 4.0‘ ist das Leitthema des diesjährigen Landeskongresses der Offensive Mittel-stand BW und Offensive Gutes Bauen BW. Der Kongress am 9. Oktober in Stuttgart will KMU aus ganz Baden-Württemberg für das Thema ‚Industrie 4.0‘ sensibilisieren. Im Vorfeld des Kongresses interviewen die beiden Offensiven verschiedene Experten zu deren Einschätzungen über Industrie 4.0. Das Gespräch mit Walter Ganz, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart, ist das letzte der insgesamt sechs Interviews.

 Neue Dienstleistungen und Serviceplattformen sind eine Zukunftssicherung

 „Das Fraunhofer IAO beschäftigt sich bereits seit 25 Jahren mit der Dienstleistungsforschung und -entwicklung“, erklärt Walter Ganz, Leiter des Geschäftsfelds Dienstleistungs- und Personalmanagement am IAO. Neben Forschungsprojekten und Veranstaltungen zu Industrie 4.0 habe es sich das IAO auch zur Aufgabe gemacht, beim Mittelstand ein Umdenken von der Produktion hin zur Dienstleistung zu forcieren. So brachte das Wirtschaftsministerium zusammen mit IAO und anderen Forschungspartnern den Praxisleitfaden ‚Service Engineering – in fünf Schritten zur neuen Dienstleistung‘ heraus. „Damit sind mittelständische Unternehmen in der Lage, neue Geschäftsfelder zu definieren und sogar völlig neue Geschäftsmodelle aufzubauen. Dieses Projekt aus unserer Dienstleistungsforschung ist die Vorstufe zu Smart Services“, bekräftigt Ganz.

 „Wer Smart Services anbietet, der hat den Kontakt zum Kunden und erschließt sich zusätzliche Umsätze mit neuen Dienstleistungen oder Geschäftsmodellen. Der Schlüssel dazu sind die Daten, die von den digital vernetzten Produkten bereitgestellt und auf neuen Serviceplattformen gesammelt und verarbeitet werden“, so Ganz.

 Dass Serviceplattformen, die ein vorhandenes Nutzerbedürfnis auf einfache, neuartige Weise bedienen, den Markt etablierter Branchen umwälzen können, ist spätestens seit den weltweiten Portalen für private Taxivermittlung und Zimmervermietung bekannt. „Weniger bekannt hingegen sind die guten Beispiele von kleinen deutschen Unternehmen, die infolge der Digitalisierung Plattformen entwickelten und so ein Nutzerproblem auf neue, einzigartige Weise lösen“, meint Ganz. Er stellt zwei dieser erfolgreichen deutschen Portale und ein IAO-Projekt vor.

 Smart Services Beispiel 1:

Neurologen bauen Portal zur Verbesserung der ambulanten Patientenversorgung auf

 Für zwei Professoren an der Berliner Charité war die fehlende Koordination von Patienten, Ärzten, Therapeuten, Medizinprodukten und Dienstleistungen eine wesentliche Erfolgsbarriere in ihrem Ambulanzalltag mit seltenen neurologischen Krankheiten. Aus diesem Mangel heraus initiierten sie das gesicherte Internetportal AmbulanzPartner.de, das seit 2011 online ist. Das intuitiv bedienbare Onlineportal vernetzt Patienten, Ärzte, Therapeuten, Apotheken und Heilmittelhersteller. Als zentrale Schnittstelle bietet es allen Beteiligten ein Netzwerk für eine koor-dinierte Versorgung mit Hilfs-, Heilmitteln und Medikamenten. Es soll als elektronische Versorgungsakte und als Dienstleistungsplattform dienen. Patienten können ihre Versorgung dort bewerten, was die eigene Behandlung verbessert und die Forschung unterstützt.

 Die Informationen sind der Website www.AmbulanzPartner.de entnommen.

 Smart Services Beispiel 2:

Drei Bauhandwerker und Planer entwickeln interaktive Webplattform zur Vernetzung der gesamten Bausanierungsbranche

 An einem Sanierungsprojekt sind heute oft mehr als zehn verschiedene Parteien beteiligt. Der dabei nur schwer zu bewältigende Abstimmungsaufwand führt auch zu Fehlern und Mängeln. Werkzeuge, die im Web 2.0 eine gemeinsame und effiziente Arbeit ermöglichen, gibt es kaum. Die drei Gründer des Berliner Start-ups Eccuro wollten diese Lücke schließen. Mit der interaktiven Online-Plattform eccuro.com verbinden sie seit 2014 die gesamte Branche der Bausanierung – Energieberater, Planer, Architekten, Handwerker, Hersteller – an einem zentralen Ort. Werkzeuge zur Kommunikation und zum Datenaustausch helfen Experten aus Bau und Sanierung dabei, Erfahrungen zu tauschen, Kompetenzen zu bündeln und Sanierungsprojekte gemeinsam und effizient zu bearbeiten. Der ‚Wissenspool für alle Stichworte rund um Bausanierung‘ sammelt und strukturiert die Informationen. Verbraucher können sich dort rundum infor-mieren und finden die passenden Experten.

 Die Informationen sind der Website www.eccuro.com entnommen.

 Smart Services Beispiel 3:

Forschungsprojekt Smart Urban Services für zukunftsfähige Städte

 Ideen für die Stadt der Zukunft zu entwickeln und zu erproben, darum geht es beim IAO-Forschungsprojekt ‚Smart Urban Services: Datenbasierte Dienstleistungsplattform für die urbane Wertschöpfung von morgen‘. In den Pilotstädten Reutlingen und Chemnitz wird unter-sucht, wie neue und intelligent vernetzte Dienstleistungen helfen können, Stadtsysteme integ-rativ und zukunftsfähig zu gestalten. Dabei werden neue, tragfähige Ansätze für Wertschöpfungs- und Dienstleistungsinnovationen in der Stadt von morgen identifiziert, erprobt und beispielhaft umgesetzt. Eine neu zu entwickelnde Plattform ermöglicht dann, die verschiedenen Stadt-Subsysteme – Mobilität und Logistik, Planen und Bauen, Umwelt, Ver- und Entsorgung, Gesundheit, Handel, Bürgerservices – zum Nutzen aller zu vernetzen.

 Weitere Informationen gibt es auf der Website www.smart-urban-services.de.

 Notwendige Veränderungen im Denken und Handeln von KMU

 Walter Ganz bekräftigt, im Zuge der unaufhaltsamen Digitalisierung aller Produkte und Dienstleistungen sei es für die Unternehmen überlebenswichtig, den Endkundenkontakt nicht zu verlieren. Im Wesentlichen komme es auf drei Punkte an, um zukunftsfähig zu sein: „Eine Digitalisierungskompetenz auf allen Geschäftsebenen aufzubauen. Herauszufinden, wo die vorhandenen Potenziale sind und wo Potenziale für neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen liegen. Außerdem das Wissen, dass sich die Marktstrukturen weiter verändern werden und es in der Hand des Unternehmers liegt, ob er diese freiwillig mitgestaltet oder unfreiwillig erduldet“, so Ganz. Als erstes praktikables Hilfsmittel, um sich mit der Entwicklung neuer Dienstleistungen vertraut zu machen, empfiehlt er den Service-Engineering-Leitfaden.

 Die Broschüre ‚Service Engineering – in fünf Schritten zur neuen Dienstleistung‘, kann als Pdf auf der Website des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg heruntergeladen werden: mfw.baden-wuerttemberg.de.

 IAO-Fachforum am 21. Oktober: „Smart-Services-Weckruf“ an den Mittelstand

 Die Smart-Services-Tagung des Fraunhofer IAO am 21. Oktober 2015 in Stuttgart ist ein Fachforum für den Mittelstand in Baden-Württemberg. Das Besondere daran ist, dass mittelständische Unternehmen auf Augenhöhe über ihre erfolgreichen Smart-Service-Projekte berichten und diskutieren.

 Landeskongress 2015 der beiden Offensiven in BW: Unternehmen 4.0

 Der 4. Landeskongress der Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW findet am 9. Oktober 2015 in den Bürgerräumen West, Stuttgart statt. Der diesjährige Kongress steht unter dem Leitthema ‚Unternehmen 4.0 – Herausforderungen, Ziele, Wege‘. Dabei wird vorgestellt und diskutiert, warum kleine und mittlere Unternehmen und Betriebe sich heute mit der Thematik 4.0 auseinandersetzen müssen, um auch morgen ihre Marktfähigkeit zu behalten. Beim Kongress spricht beispielsweise Frau Prof. Dr. Dr.-Ing. Dr.h.c. Jivka Ovtcharova vom Karlsruher KIT. Die Moderation übernimmt Edda Markeli vom SWR.

 Die aktuelle Aufgabe der Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW ist es, den kleinen und mittleren Unternehmen Orientierung im 4.0-Dschungel zu geben, sie zur Selbstveränderung zu ermutigen und bei ihrer Neujustierung konkret zu unterstützen.

 Über die Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW

 Die ehrenamtlich geführten Netzwerke Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW richten sich mit ihren Angeboten und Unterstützungsinstrumenten an kleine und mittlere Unternehmen sowie an Bauherren, Planer und weitere am Bau Beteiligte. Das regionale Netz-werk in Baden-Württemberg möchte auf diese Angebote und den daraus resultierenden Nutzen für KMU hinweisen und unterstützt Unternehmen bei der individuellen Umsetzung.

 Die Herzstücke der Offensiven sind die INQA-Unternehmens-Checks ‚Guter Mittelstand‘ und ‚CASA-Bauen‘. Vertiefendes Instrument ist der Check ‚Personalführung‘. Hiermit können vor allem Unternehmer kleiner Betriebe systematisch die Qualität ihrer Personalführung überprüfen. Darüber hinaus ist der Check auch für Führungskräfte in größeren Unternehmen geeignet. Es finden sich viele Anregungen für eine gute Personalführung. Der Check hilft, die Beschäftigten zu befähigen und zu motivieren, gute Leistungen zu erbringen. Er hilft auch, die Beschäftigten zu unterstützen, gesund und gerne im Unternehmen zu arbeiten.

 Weitere Informationen gibt es auf www.offensive-mittelstand-bw.de, www.gutes-bauen-bw.de, www.gute-bauunternehmen.de, www.inqa.de, www.offensive-mittelstand.de, www.offensive-gutes-bauen.de.

 

 

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‚BIM‘ – Industrie 4.0 in der Bauwirtschaft

 Fraunhofer IRB erläutert den Kulturwandel durch ‚Building Information Modeling‘ im Bauwesen

 ‚Unternehmen 4.0‘ ist das Leitthema des diesjährigen Landeskongresses der Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW. Der Kongress am 9. Oktober in Stuttgart will KMU in Baden-Württemberg für das Thema ‚Industrie 4.0‘ sensibilisieren. Im Vorfeld des Kongresses interviewen die beiden Offensiven verschiedene Experten zu deren Einschätzungen über Industrie 4.0. Das Gespräch mit Dipl.-Ing. Thomas H. Morszeck, Institutsleiter des Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau (IRB) und Dr.-Ing. Michael Brüggemann vom Fraunhofer IRB in Stuttgart, ist das fünfte von insgesamt sechs Interviews.

 

„Genau wie bei Industrie 4.0, geht es beim ‚Building Information Modeling‘ (BIM) um die Digitalisierung, in diesem Fall des Planens und Bauens. BIM bedeutet nicht allein die Einführung einer neuen Software, sondern wirkt sich als neue Arbeitsmethode auf die gesamte Wertschöpfungskette im Bau aus“, so Institutsleiter Thomas H. Morszeck. Er ergänzt, dass BIM in Deutschland bisher wesentlich weniger Akzeptanz findet als im europäischen und nordamerikanischen Ausland. In einigen Ländern hat es sich bereits als verbindliche Standardmethode der Bauprojektabwicklung durchgesetzt. Das Ziel des Fraunhofer IRB sei der Wissenstransfer: Projektbezogene Forschungsergebnisse und Erfahrungswissen aus der Baupraxis sollen be-reits in frühen Phasen des Planungs- und Bauprozesses abrufbar sein, um so einen konkreten Nutzen für Planer und Baufirmen zu erbringen. Dieses Ziel ließe sich mit dem Einsatz von BIM-Methoden leichter erreichen. 

Gebäudemodellierung BIM – Building Information Modeling

 BIM ist eine vor über zehn Jahren entstandene IT-gestützte Methode zur Bauplanung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden. Ausgangspunkt ist ein dreidimensionales virtuelles Gebäudemodell, das mit weiteren Informationen wie etwa Bauteildaten, Kosten und Terminen, verknüpft wird. Im Idealfall arbeiten alle am Bau Beteiligten – Planer, Bauunternehmen, Bauherr und Betreiber an dem virtuellen Gebäudemodell. Sie hinterlegen die relevanten Gebäudedaten in einem Modell, sodass alle mit den gleichen Projektdaten arbeiten und Planänderungen weniger Aufwand verursachen.

 Die BIM-Methode bringt Veränderungen in der Projektabwicklung auf unterschiedlichen Ebenen mit sich: bei den Zusammenarbeitsprozessen innerhalb und zwischen den beteiligten Unternehmen, in den Organisationsstrukturen und bei den eingesetzten Technologien. Da die Beteiligten viel stärker als bislang kooperieren müssen, wird sich ein Wandel hin zu einer offeneren, transparenten und hoffentlich partnerschaftlichen Arbeitsweise einstellen.

 Verschiedene Softwareanbieter haben bereits IT-Lösungen für BIM entwickelt, es handelt sich jedoch zumeist um proprietäre Systeme, die in der Regel nicht miteinander kompatibel sind.

 In Deutschland gibt es noch keine allgemein verbindlichen Richtlinien für BIM. Eine Orientierung bieten etwa der BIM-Leitfaden auf der Website des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) sowie die Website der Buildingsmart-Initiative. Auch der Verein Deut-scher Ingenieure (VDI) hat eine Arbeitsgruppe zu dem Thema eingerichtet.

 Vorteile von BIM

 „Die wichtigsten Vorteile der BIM-Methode sind die Aktualität und Transparenz der Bauprojektdaten, wodurch eine höhere Bauwerksqualität und verbesserte Wirtschaftlichkeit erreicht wer-den. Auch die Kosten und Termine sind jederzeit überprüfbar, dies gibt dem Bauherren Sicherheit“, so Institutsleiter Morszeck. Er ergänzt: „Optimal für die Bauherren oder späteren Betreiber ist, dass alle Gebäudedaten jederzeit digital abrufbar sind und Veränderungen oder Instandhaltungen am Gebäude einfacher und sicherer umsetzbar sind. Die Daten sind dann allerdings über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes hinweg zu pflegen.“

 Michael Brüggemann betont die Veränderungen im Ablauf: „Die Planungsphase erhält eine viel größere Bedeutung als bisher, da sich vieles dorthin verlagert. Die Baufirmen sollten bereits in der Entwurfsplanung ihre Daten für die einzelnen Gewerke einbringen. Einerseits erhöht sich so der Aufwand für die Bauplanung, andererseits ist genau dort der stärkste Hebel für die Kostenbeeinflussbarkeit.“ Weitere Vorteile ergeben sich für ihn daraus, dass alle Gewerke gemeinsam am virtuellen Gebäudemodell arbeiten, was mögliche Kollisionen sofort sichtbar und korrigierbar macht und so eine leichtere Zusammenarbeit ermöglicht.

 Hemmnisse

 Untersuchungen der letzten Jahre zeigten, dass etwa 20 Prozent der Planer BIM überhaupt nicht kennen und etwa die Hälfte aller Planer immer noch mit 2D-Daten arbeitet, so Brüggemann. Es gäbe neben vielen Wissenslücken noch große Unsicherheiten und Ängste in Bezug auf die Anwendung der BIM-Methode, die Softwaresysteme und die entstehenden Investitionen. Zudem hätten viele am Bau Beteiligte unterschiedliche Vorstellungen und eigene Definitionen von BIM. Vor diesem Hintergrund sei die neutrale Information über BIM und seine großen Vorteile eine wichtige Aufgabe.

 Handlungsbedarf

 Der technische Handlungsbedarf bei BIM besteht nach Brüggemann darin, die offenen Standards etwa als IFC-Schnittstellen weiterzuentwickeln, damit alle IT-Lösungen der BIM-Softwareanbieter kompatibel sind.

 Morszeck appelliert, auch die Vorgaben des Vergaberechts bzw. der HOAI-Preisordnung auf sicherlich notwendige Anpassungen zu überprüfen. Brüggemann ergänzt, auch die Vertragsgestaltung für private Auftraggeber bedürfe eines neuen Aufbaus.

 Empfehlung an Bauplaner und Betriebe

 BIM wird oder ist in vielen Ländern bereits zum Standard für größere Bauvorhaben geworden. Deshalb denken wir, dass die Etablierung von BIM auch in Deutschland ein unumkehrbarer Prozess ist. Wer sich nicht auf BIM einstellt, wird es früher oder später am Auftragseingang spüren!“, so Morszeck. Er empfiehlt: „Es geht nicht darum, nun in eine operative Hektik zu verfallen. Gehen Sie gelassen, aber bestimmt an das Thema heran. Holen Sie sich bei Bedarf externe Beratung, um eine Bestandsaufnahme zu machen und aufbauend auf Ihren mittelfristigen Zielen zu überlegen, welche Software, Schulungsbedarf und interne Veränderungen not-wendig sind. Gehen Sie dabei schrittweise vor. Grundlegend wichtig ist, die Mitarbeiter von den Vorteilen zu überzeugen, damit sie offen für das neue Denken der BIM-Prozesse sind. Rechnen Sie damit, dass auch eine schrittweise BIM-Einführung immer Fehler und notwendige Lernprozesse mit sich bringt.“

 

Weitere Informationen gibt es unter anderem im BIM-Leitfaden und auf dem Landeskongress der Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW.

 

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Christian Rauch zu seinen Einschätzungen über Industrie 4.0 Interview mit dem Vorstand der Bundesagentur für Arbeit Regionaldirektion BW ‚Unternehmen 4.0‘ ist das Leitthema des diesjährigen Landeskongresses der Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW. Der Kongress am 9. Oktober in Stuttgart will KMU in Baden-Württemberg für das Thema ‚Industrie 4.0‘ sensibilisieren. Im Vorfeld des Kongresses interviewen die beiden Offensiven verschiedene Experten zu deren Einschätzungen über Industrie 4.0. Das Gespräch mit Christian Rauch, Vorsitzender der Geschäftsführung, Regionaldirektion BW der Bundesagentur für Arbeit, ist das vierte von ins-gesamt sechs Interviews.

Offensive Mittelstand BW: Herr Rauch, was verstehen Sie unter Industrie 4.0 oder „Arbeiten 4.0“? Was schätzen Sie, wie sich die Arbeitsagenturen dadurch in den nächsten zehn Jahren verändern?

Christian Rauch: Für mich ist Industrie 4.0 die Digitalisierung, im engeren Sinne die Kommunikation von Maschinen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Deren genaue Auswirkungen auf die Beschäftigung, wer also die „Gewinner“ oder „Verlierer“ sein werden, sind heute noch nicht prognostizierbar. Im Sinne von 4.0 als Digitalisierung fragen wir uns als Bundesagentur, was bedeutet Dienstleistung 4.0? Wie kommen wir näher an unsere Kunden heran? Ein erster Schritt ist, dass seit kurzem das Arbeitslosengeld I online beantragt werden kann. Am komfortabelsten funktioniert das über unsere App „Bringt weiter“. Außerdem gibt es noch BEN, unseren digitalen Berufsentwicklungsnavigator. Er beantwortet alle Fragen zur beruflichen Weiterentwicklung ganz individuell und die Stellensuche kann direkt online erfolgen. Ich gehe davon aus, dass unsere Kunden in zehn Jahren fast alles von zuhause aus erledigen können. Digitalisierung bedeutet auch für uns, dass alle Prozesse auf dem Prüfstand stehen und ständigen Veränderungen unterliegen werden.

BW und die Region Stuttgart sind besonders von Automobil- und Maschinenbau geprägt.Wie wirkt sich Industrie 4.0 vor diesem Hintergrund auf die Arbeit der Arbeitsagenturen aus?

Rauch: Wir haben in Baden-Württemberg eine innovative Wirtschaft mit einer hohen Zahl an Weltmarktführern. Nun muss es gelingen, Industrie 4.0 als zusätzlichen Wachstumstreiber für Beschäftigung zu nutzen. Auch wenn wir heute noch nicht wissen, welche Auswirkungen 4.0 auf welche Personen-gruppen haben wird, so ist doch klar, dass sich die Anforderungen an die Tätigkeiten verändern. Das Lernen für den Arbeitsplatz und über den Arbeitsplatz und Arbeitgeber hinaus wird immer wichtiger werden. Bereits heute bieten wir Beschäftigten drei Zugänge zu Weiterbildungsmöglichkeiten: den Online-Berufsentwicklungsnavigator, über die Qualifizierungsberatung in den Betrieben und als ganz neues Angebot die Weiterbildungsberatung für Arbeitnehmer in ausgewählten Modellregionen. Seit diesem Jahr läuft in der Region Stuttgart das zweijährige Pilotprojekt Weiterbildungsberatung der Bundesagentur für Arbeit. Wir erproben in den Kreisen Stuttgart, Ludwigsburg und Waiblingen ein neues Dienstleistungsangebot für Beschäftigte, also nicht für Arbeitslose. Diese Weiterbildungsberatung hat einen hohen inhaltlichen Anspruch. Sie will Beschäftigte zur Weiterbildung animieren und individuelle Weiterbildungsmöglichkeiten aufzeigen – unabhängig vom Arbeitgeber.

Es heißt, mit der Digitalisierung der Arbeit steigen die Qualifizierungsanforderungen, nicht nur beim beruflichen Einstieg, sondern entlang der gesamten Erwerbsbiografie. Wie denken Sie darüber?

Rauch: Ich gehe davon aus, dass der Begriff des lebenslangen Lernens eine neue Relevanz erhält. Zudem glaube ich, die duale Ausbildung oder ein Studium bleiben weiterhin die Voraussetzung für den Einstieg ins Arbeitsleben. Früher hat eine Ausbildung 40 bis 50 Jahre lang durch das Arbeitsleben getragen. Dies ist bereits heute nicht mehr so. Künftig hat eine Ausbildung eher die Funktion, „ich lerne zu lernen, mich zu organisieren, mich in eine Organisation einzupassen“. Das reine Wissen wird damit immer mehr entwertet, das lebenslange Lernen immer mehr an Bedeutung gewinnen. Davon unabhängig erfordert Industrie 4.0 neue Fähigkeiten: 4.0 läuft in einer Art „Blackbox“. Diese Nicht-Sichtbarkeit dessen, was geschieht, erfordert ein höheres Verständnis von Komplexität und Abstraktionsvermögen bei den Beschäftigten.

Im Grünbuch Arbeiten 4.0 des Bundesarbeitsministeriums wird prognostiziert, dass präventive Unterstützungen künftig wichtiger werden. Wie sehen Sie das?

Rauch: Schon in meiner Kindheit warb eine Krankenkasse mit dem Slogan „Vorbeugen ist besser als heilen“. In der Arbeitsmarktpolitik verfolgen wir seit zehn Jahren diesen Gedanken verstärkt bei Jugendlichen mit der Berufseinstiegsbegleitung. Die Erfahrungen mit präventiven Ansätzen zeigen, dass dies für die Gesellschaft definitiv Sinn macht. Der hohe Anspruch dabei ist es, Prävention zu betreiben, obwohl wir nicht wissen, wo künftig die Herausforderungen und Umbrüche liegen.

Wie sehen Sie die Prognosen für niedrig Qualifizierte?

Rauch: Die dritte industrielle Revolution reduzierte die Beschäftigung der einfachen Tätigkeiten von 50 Prozent auf zehn bis 15 Prozent. Bei 4.0 gibt es zwei Szenarien. Im ersten Szenario setzt sich der Mechanismus weiter fort, wonach es weniger Beschäftigung für niedrig Qualifizierte gibt. Im zweiten Szenario fallen durch die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation ebenfalls Tätigkeiten weg, dies betrifft aber den mittleren Bereich mit Verwaltung und Meistern oder Technikern. Für uns alle ist noch unklar, welches Szenario eintritt. Persönlich sehe ich eher das zweite Szenario, Veränderungen der sogenannten „white-collar-Jobs“, was unter anderem Statusverluste mit sich bringt. Wichtig dabei ist, zu wissen, dass wir beide Szenarien gestalten können!

Wie ist Ihr Ausblick zu Industrie 4.0?

Rauch: Die dritte industrielle Revolution liegt nun 40 Jahre zurück – die Vision der menschenleeren Fabrik ist nicht eingetreten. Im Gegenteil ist der Beschäftigungsstand seit der Automatisierung gestiegen. Der Erfahrungswert damals war, dass wir in der Übergangs-zeit viele Menschen in die Arbeitslosigkeit „verloren“ haben. Die Frage und gleichzeitig große Aufgabe ist es, ob wir dies beim Umbruch durch Industrie 4.0 besser schaffen. Wir müssen die Trends beobachten und handeln. Ich denke, der Technologiesprung durch 4.0 bringt in Baden-Württemberg insgesamt eine höhere Beschäftigung.

Vielen Dank Herr Rauch.

Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW zu Industrie 4.0 Die aktuelle Aufgabe der Offensive Mittelstand und Offensive Gutes Bauen ist es, den kleinen und mittleren Unternehmen Orientierung im 4.0-Dschungel zu geben, sie zur Selbstveränderung zu ermutigen und bei ihrer Neujustierung konkret zu unterstützen. Die Frage, welche IT-Lösung oder welcher Standard bei der Digitalisierung im Unternehmen künftig zum Einsatz kommt, ist erst nach der neuen Zukunftsausrichtung des Unternehmens zu klären.

Landeskongress 2015: Unternehmen 4.0

Der 4. Landeskongress der Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW findet am 9. Oktober 2015 in den Bürgerräumen West, Stuttgart statt.

Der diesjährige Kongress steht unter dem Leitthema ‚Unternehmen 4.0 – Herausforderungen, Ziele, Wege‘. Dabei wird vorgestellt und diskutiert, warum kleine und mittlere Unternehmen und Betriebe sich heute mit der Thematik 4.0 auseinandersetzen müssen, um auch morgen ihre Marktfähigkeit zu behalten. Über die Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW Die ehrenamtlich geführten Netzwerke Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW richten sich mit ihren Angeboten und Unterstützungsinstrumenten an kleine und mittlere Unternehmen sowie an Bauherren, Planer und weitere am Bau Beteiligte. Das regionale Netzwerk in Baden-Württemberg möchte auf diese Angebote und den daraus resultierenden Nutzen für KMU hinweisen und unterstützt Unternehmen bei der individuellen Umsetzung. Die Herzstücke der Offensiven sind die INQA-Unternehmens-Checks ‚Guter Mittelstand‘ und ‚CASA-Bauen‘. Vertiefendes Instrument ist der Check ‚Personalführung‘. Hiermit können vor allem Unternehmer kleiner Betriebe systematisch die Qualität ihrer Personalführung über-prüfen. Darüber hinaus ist der Check auch für Führungskräfte in größeren Unternehmen ge-eignet. Es finden sich viele Anregungen für eine gute Personalführung. Der Check hilft, die Beschäftigten zu befähigen und zu motivieren, gute Leistungen zu erbringen. Er hilft auch, die Beschäftigten zu unterstützen, gesund und gerne im Unternehmen zu arbeiten. Weitere Informationen gibt es auf www.offensive-mittelstand-bw.de, www.gutes-bauen-bw.de, www.gute-bauunternehmen.de, www.inqa.de, www.offensive-mittelstand.de, www.offensive-gutes-bauen.de.

 

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Führungskräfte stärken, damit der Wandel zu Industrie 4.0 gelingt

Interview mit Südwestmetall zu Chancen und Risiken von Industrie 4.0 für KMU „Das Thema Führung ist der Schlüssel für den Erfolg von Veränderungsprozessen“, bekräftigt Kai Schweppe, Geschäftsführer Arbeitspolitik von Südwestmetall. Dies gelte umso mehr für den wohl größten Veränderungsprozess Industrie 4.0.

„Alle von uns bisher begleiteten Projekte zur ‚Sicherung von Produktionsarbeit‘ zeigen, dass Veränderungsprozesse davon abhängen, inwieweit Sie die Mitarbeiter mitnehmen und be-geistern können“, so Schweppe. Er erklärt weiter: „Leider haben gerade in kleinen und mittleren Unternehmen die Führungskräfte zu wenig Zeit für tatsächliche Führungsarbeit. Stattdessen sind die Vorgesetzten im Tagesgeschäft meist in der Rolle der Fachexperten gefragt.“

Nach seiner Einschätzung verändern sich die Aufgaben der Führungskräfte in Zukunft, nicht nur durch neue Produktionsprozesse, auch durch Rationalisierung, neue Arbeitsformen, Arbeitsplatzgestaltung und Arbeitszeitmodelle. Außerdem durch Zusammenarbeit mit räumlicher Distanz sowie durch veränderte administrative Prozesse. Mit den auch von Mitarbeitern geforderten Flexibilisierungen ergäben sich ganz neue Herausforderungen für Betriebsräte und Arbeitgeber: ein Spagat zwischen Arbeitnehmerschutzrechten, Fürsorgepflichten und „Kontrolle“. Die Gefahr einer „Totalüberwachung“ der Arbeitnehmer sieht er im Mittelstand nicht, dies sei kein Ziel der Unternehmen.

So appelliert Kai Schweppe an die mittelständischen Betriebe, ihren Führungskräften die dringend notwendige Zeit für Führungsaufgaben zu geben. Mit Qualifizierungsmaßnahmen in Methoden- und Sozialkompetenz sollten sie für ihre künftige Führungsarbeit befähigt werden.

Chancen für den Mittelstand

Die Chancen von Industrie 4.0 sieht der Geschäftsführer Arbeitspolitik etwa darin, schneller und kundenorientiert so rationell zu produzieren wie bislang in Großserie. Es eröffne die Chance, insgesamt rationeller zu produzieren. Mit einer hochflexiblen Fertigung könne ein neuer Variantenreichtum geschaffen werden. Durch die kundenindividuelle Fertigung eröffneten sich breitere Marktsegmente.

Die Aufgabe dabei sei es, die Prozessketten so zu optimieren und zu organisieren, dass die Produkte im internationalen Wettbewerb bestehen können und der Produktionsstandort Deutschland gesichert wird.

Risiken von Industrie 4.0

Für Kai Schweppe haben viele der Visionen rund um Industrie 4.0 etwas vom „Blick in die Glaskugel“. So ist nach seiner Einschätzung völlig unklar, ob Jobs mit einfachen Tätigkeiten oder klassische Facharbeiter-Jobs wegfallen, oder ob aus qualifizierten Tätigkeiten noch höherwertigere Jobs entstehen. Die konkreten Auswirkungen auf die Qualifizierung könnten noch nicht abgeschätzt werden. Sicher vorhergesagt werde könne, dass neue Berufsbilder entstehen werden und sich Ausbildungsinhalte verändern. Der heutige Entwicklungszyklus von rund sechs Jahren für ein neues Berufsbild müsse wesentlich beschleunigt werden, um mit der Unternehmenswirklichkeit mithalten zu können.

Aktuell fragten sich kleinere Unternehmen, „was ist der richtige Weg für mich als Mittelständler?“ So sei etwa dem Stanzteilehersteller mit 80 Mitarbeitern auf der Alb völlig unklar, was er aus Industrie 4.0 für sich herausziehen könne. Ein Unternehmer, der morgens durch die Fertigung geht und mit seinen Mitarbeitern spricht, für den sei eine menschenleere Fabrik keine Zukunftsoption, so die Einschätzung von Schweppe. Für diese Unternehmer gehe es auch darum, wie ihre gelebten Werte in Zukunft weiter bestehen. Es gehe um Fragen wie: „Wie will ich als Unternehmer künftig arbeiten? In welchem Umfeld sollen meine Mitarbeiter bei mir arbeiten?“

Als finanzielles Risiko betrachtet Kai Schweppe den relativ hohen Aufwand für kleinere Unternehmen, um erstmalig die nötigen Prozesse und Datenstrukturen für die Digitalisierung zu schaffen. Die Digitalisierung bedürfe auch Veränderungen beim unternehmerischen Selbstverständnis. Vieles, das bisher erfolgreich „aus dem Bauch heraus“ angepackt wurde, müsse künftig klar strukturiert für die Digitalisierung aufbereitet werden.

Für ihn ist es eine spannende Frage, wie letztendlich die unternehmensübergreifende Datenvernetzung gestaltet wird. Beispielsweise ohne dass die Zulieferer gleichzeitig zu einer „gläsernen verlängerten Werkbank“ werden.

Zukunftsaufgaben für Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften

Als Geschäftsführer Arbeitspolitik beobachtet Kai Schweppe die Entwicklungen bei Industrie 4.0 sehr genau, da sich die technischen Veränderungen auf die Aufgaben des Arbeitgeberverbandes auswirken. „Uns steht viel Arbeit bevor: Durch geänderte Produktionsprozesse, neue Anforderungen an Arbeitsgestaltung und Prozessgestaltung entstehen Veränderungen bei tariflichen Strukturen, Arbeitszeiten, Entgeltsystemen. Bis hin zum Thema Führung, Qualifizierungsanforderungen, Aufstiegsmöglichkeiten und Gesundheitsmanagement.“

Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW zu Industrie 4.0

Die aktuelle Aufgabe der Offensive Mittelstand und Offensive Gutes Bauen ist es, den kleinen und mittleren Unternehmen Orientierung im 4.0-Dschungel zu geben, sie zur Selbstveränderung zu ermutigen und bei ihrer Neujustierung konkret zu unterstützen. Die Frage, welche IT-Lösung oder welcher Standard bei der Digitalisierung im Unternehmen künftig zum Einsatz kommt, ist erst nach der neuen Zukunftsausrichtung des Unternehmens zu klären.

Kai Schweppe nimmt für Südwestmetall an der Expertenrunde beim Landeskongress teil.

 

 

Stuttgart, 26.06.2015

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Analoges Brettspiel macht Industrie 4.0 greifbar

Vorstellung des Open-Source-Strategiespiels ‚iXX Industrie 4.0‘

Ein überdimensionales Spielbrett, etwa 1,20 mal 1,70 Meter groß, mit sechs farbigen Spielfiguren und zwei Würfeln, Geld-Chips und Ereigniskarten – ‚iXX Industrie 4.0‘ weckt Erinnerungen an die Brettspiele aus der Jugendzeit. Doch im Gegensatz zu Gesellschaftsspielen hat das neue Strategiespiel einen durchaus ernsthaften Charakter.

Die Spieleentwickler trieb die Frage um, wie das komplexe Thema Industrie 4.0 kleinen und mittleren Unternehmen auf unkonventionelle Weise nähergebracht werden kann. Sie entschlossen sich für den spielerischen Lernansatz nach dem Modell der ‚Gamification‘.

„Ein digitales Thema wie Industrie 4.0 mit analogen Mitteln im wörtlichen Sinne greifbar zu machen – dieser scheinbare Widerspruch macht einen Teil des Reizes aus“, so Peter Käpernick: „Führungskräfte und Geschäftsführer werden durch die Fragestellungen im Spiel und ihre Interaktion mit den anderen für Industrie 4.0 sensibilisiert. Sie erkennen so immer mehr die Relevanz des Themas für ihre eigene Rolle und die Zukunft ihres Unternehmens.“

‚Open Source‘ - made in Baden-Württemberg

Das Strategiespiel ist ein echtes baden-württembergisches Produkt. Ideengeber war Diplom-Ingenieur Peter Käpernick, Geschäftsführer des StrategieCentrums-Oberrhein. Ausgearbeitet und weiterentwickelt wurde es gemeinsam mit dem StrategieCentrum-Oberrhein und der Offensive Mittelstand BW. Peter Käpernick betont: „‚iXX Industrie 4.0‘ ist ein ‚Open-Source‘-Projekt. Das Spiel ist nicht für kommerzielle Zwecke gedacht. Wir wollen es grundsätzlich jedem zugänglich machen.“ ‚iXX Industrie 4.0‘ ist eines von mehreren Strategiespielen des StrategieCentrums-Oberrhein.

So funktioniert ‚iXX Industrie 4.0‘

Die sechs (oder 12) Spieler sehen vor Spielbeginn einen kurzen Film über die Thematik Industrie 4.0. In der gemeinsamen Vorstellungsrunde nennen die Teilnehmer ihren Wissens-stand zu Industrie 4.0 und ob sie bisher eine Relevanz für ihr Unternehmen sehen.

Die Spieler bewegen durch würfeln ihre Spielfiguren so lange, bis einer in seinem Zielfeld ankommt. Auf farbigen Feldern sind verschiedene Aktionen mit Info- oder Fragekarten aus-zuführen. Die daraus entstehenden, auch kontroversen, Diskussionen sind der Kern des Spiels.

Die Fragestellungen drehen sich um sechs Themenfelder: Big Data – Industrie, Software, Sicherheit, Geschäftsmodelle – Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft, Zukunftsfabrik – Wertschöpfung im Wandel, Demografie – Gesellschaft, Fachkräfte, Aus- und Weiterbildung, Leben in der Digi-Zeit – Mittelstand, Mensch, Beruf und Familie sowie Konnektivität – Soft- und Hardware, Sensoren, Elektronik.

Einige Beispiele aus den Fragekarten bei ‚iXX Industrie 4.0‘:

Wertschöpfung durch Integration oder Auslagerung: Alles selbst produzieren oder besser Komponenten auslagern und zukaufen. Was bringt mir und meiner Firma Vor-teile und warum?

Das Verbesserungsdilemma: In komplexen Systemen führt Arbeit an einzelnen Teilen nicht zur Verbesserung des Ganzen. Was hilft heute, was hilft morgen?

Employability: Ältere Mitarbeiter haben im Vergleich zur Generation Y andere Fähigkeiten. Wie gehen Sie als Führungskraft mit diesem Wissen um?

Internetplattformen wickeln Geschäfte in Milliardengröße und mit steigender Tendenz ab. Ist Ihr Geschäftsmodell über eine Internetplattform angreifbar oder kann es er-setzt werden?

Die Spieldauer beträgt etwa drei Stunden. Am Schluss geht jeder Spieler seine gesammelten Fragekarten durch und überprüft, inwieweit die Fragestellungen für seine Situation relevant sind. Außerdem resümiert er, in welchen Punkten er tätig werden sollte, um sich auf Industrie 4.0 vorzubereiten. Gewonnen hat, wer die meisten Geld-Chips sammeln konnte. Jeder Teilnehmer überlegt, in welche konkreten Maßnahmen er investieren würde, wenn die Geld-Chips je einen Wert von 1.000 Euro hätten.

Ziel des Spiels

Angelika Stockinger, Leiterin der Offensive Mittelstand BW, fasst die Ziele von ‚iXX Industrie 4.0‘ zusammen: „Die Teilnehmer sollen die Relevanz von 4.0 für ihre eigene berufliche Rolle erkennen, Handlungsbedarfe identifizieren und konkrete Umsetzungsideen für ihr Unternehmen entwickeln.“ Das Strategiespiel will das Reflektieren der eigenen Sichtweisen im und auf das Unternehmen anregen. „Einen wichtigen Beitrag im Spiel leisten auch der Wissensaustausch und Erfahrungsaustausch zwischen den Mitspielern“, so Peter Käpernick.

iXX Industrie 4.0

‚iXX Industrie 4.0‘ ist ein ‚Open-Source‘-Projekt (Open Educational Resources). Das Spiel ist nicht für kommerzielle Zwecke gedacht, sondern soll grundsätzlich für jeden zugänglich sein. Die Strategie-Foren in BW und die Offensive Mittelstand BW bieten sich kostenfrei als Organisatoren von ‚iXX Industrie 4.0‘-Veranstaltungen an. Das Spiel bedarf eines qualifizierten Moderators, auch dieser wird bei Bedarf bereitgestellt.

Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW zu Industrie 4.0

Die aktuelle Aufgabe der Offensive Mittelstand und Offensive Gutes Bauen ist es, den kleinen und mittleren Unternehmen Orientierung im 4.0-Dschungel zu geben, sie zur Selbstveränderung zu ermutigen und bei ihrer Neujustierung konkret zu unterstützen. Die Frage, welche IT-Lösung oder welcher Standard bei der Digitalisierung im Unternehmen künftig zum Einsatz kommt, ist erst nach der neuen Zukunftsausrichtung des Unternehmens zu klären.

Landeskongress 2015: Unternehmen 4.0

Der 4. Landeskongress der Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW findet am 9. Oktober 2015 in den Bürgerräumen West, Stuttgart statt. Der diesjährige Kongress steht unter dem Leitthema ‚Unternehmen 4.0 – Herausforderungen, Ziele, Wege‘. Dabei wird vorgestellt und diskutiert, warum kleine und mittlere Unternehmen und Betriebe sich heute mit der Thematik 4.0 auseinandersetzen müssen, um auch morgen ihre Marktfähigkeit zu behalten.

Über Peter Käpernick

Der Diplom-Ingenieur Peter Käpernick (68) war 40 Jahre lang in internationalen Konzernen tätig. Statt den Ruhestand zu genießen, setzte er sich das Ziel, seine Erfahrungen aus leitenden Positionen an KMU weiterzugeben: Er gründete das StrategieCentrum Oberrhein, welches Mitglied im Bundesverband StrategieForum e.V. ist.

Über die Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW

Die ehrenamtlich geführten Netzwerke Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW richten sich mit ihren Angeboten und Unterstützungsinstrumenten an kleine und mittlere Unternehmen sowie an Bauherren, Planer und weitere am Bau Beteiligte. Das regionale Netzwerk in Baden-Württemberg möchte auf diese Angebote und den daraus resultierenden Nutzen für KMU hinweisen und unterstützt Unternehmen bei der individuellen Umsetzung.

Die Herzstücke der Offensiven sind die INQA-Unternehmens-Checks ‚Guter Mittelstand‘ und ‚CASA-Bauen‘. Vertiefendes Instrument ist der Check ‚Personalführung‘. Hiermit können vor allem Unternehmer kleiner Betriebe systematisch die Qualität ihrer Personalführung überprüfen. Darüber hinaus ist der Check auch für Führungskräfte in größeren Unternehmen geeignet. Es finden sich viele Anregungen für eine gute Personalführung. Der Check hilft, die Be-schäftigten zu befähigen und zu motivieren, gute Leistungen zu erbringen. Er hilft auch, die Beschäftigten zu unterstützen, gesund und gerne im Unternehmen zu arbeiten.

Weitere Informationen gibt es auf www.offensive-mittelstand-bw.de, www.gutes-bauen-bw.de, www.gute-bauunternehmen.de, www.inqa.de, www.offensive-mittelstand.de, www.offensive-gutes-bauen.de.

Pressekontakt

Falls Sie als Pressevertreter das Industrie-4.0-Spiel live erleben möchten, können Sie dies beispielsweise am 28. Juli 2015 in Stuttgart, wenn Wirtschaftsförderer aus BW es „Probe spielen“. Öffentlich präsentiert wird das Spiel bei der Kick-off-Veranstaltung des Strategie-Forums Stuttgart am 23. Juli sowie beim Landeskongress der Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW am 9. Oktober 2015 in Stuttgart.

Für Fragen steht Ihnen Angelika Stockinger gern zur Verfügung:

Angelika Stockinger

Netzwerk Offensive Mittelstand Baden-Württemberg

Tel. 0711-65869430

Mobil 0171-8535902

Fax 0711-65869436

E-Mail kontakt@ombw.de

Web www.offensive-mittelstand-bw.de